Monte Baldo

Der Monte Baldo ist ein langgezogener Bergrücken zwischen dem Etschtal und dem Gardasee am geografischen Übergang der Südalpen zur Poebene in den italienischen Provinzen Trentino und Verona. Der Bergkamm begleitet das Ostufer des Gardasees auf einer Länge von rund 35 km; seine Felswände aus Kalk, Mergeln, Tuffsteinen und Basalten fallen steil zum Seeufer ab, während die geschützte Ostseite deutlich flacher in das Tal der Etsch übergeht. Das ausgedehnte Massiv des Monte Baldo weist in seinen obersten Regionen mehrere Einzelgipfel mit Blick auf den Gardasee, die Poebene und die Dolomiten auf; den höchsten Punkt bildet die Cima Valdritta mit 2 218 m ü. NN, danach folgen Punta Telegrafo (2 200 m ü. NN), Cima delle Pozette (2 179 m ü. NN) und Monte Altissimo di Nago (2 079 m ü. NN). Die südlichen Gipfelbereiche sind mit einem Sessellift von der Ortschaft Prada aus zu erreichen, während eine Kabinenseilbahn den Nordteil erschließt. Diese Bergbahn mit drehbaren Gondeln führt von Malcesine in zwei Sektionen zur Bergstation Tratto Spino auf 1 760 m Höhe und ist eine beliebte Aufstiegshilfe für Wanderer, Mountainbiker, Skifahrer und Gleitschirmflieger, die bei dem Flug hinunter zum See eine Höhendifferenz von 1 680 m überwinden. Aufgrund der speziellen Pflanzen- und Tierarten wurde der gesamte Monte Baldo zum Naturreservat und Nationalpark erklärt, weshalb Besucher die markierten Wanderwegen nicht verlassen sollten. Die ältesten Siedlungsspuren in der Region des Monte Baldo sind Pfahlbauten aus der Mittelsteinzeit am Seeufer, die Höhenzüge wurden erst wesentlich später erobert. Nach mittelalterlichen Dokumenten lebten auf der Ostseite des Massivs im 10. Jahrhundert mehrere Einsiedler, die ein Kloster und eine Kapelle erbauten, aus der die heutige Wallfahrtskirche Madonna della Corona hervorging.

Die Vielfalt der Vegetation auf dem Monte Baldo beeindruckte bereits im 16. Jahrhundert Botaniker, die hier das Auftreten seltener endemischer Pflanzenarten erforschten und beschrieben; sie bezeichneten das Gebiet als „Hortus Europae“, den Garten Europas. Das Vorkommen dieser besonderen Flora beruht auf den speziellen regionalen Verhältnissen während der letzten Eiszeit. In dieser Epoche ragte der Monte Baldo als Nunatak aus den umgebenden Eismassen heraus und stellte damit einen Rückzugsort für Fauna und Flora dar; durch die isolierte Lage konnten Pflanzen überleben oder neue Arten bilden, deren Namen mit dem Zusatz „Baldensis“ auf ihren Ursprung hinweisen. Eine botanische Rarität stellt die Ostflanke des Monte Baldo dar, auf der von März bis August mehr als 60 Orchideenarten blühen; Begleitpflanzen sind das Edelweiß, die Feuerlilie und eine Wildform der Pfingstrose. Auf den Bergweiden und Blumenwiesen wachsen Gräser, Kräuter, Heilpflanzen und zahlreiche Wildblumenarten wie Hahnenfuß, Glockenblume, Arnika und verschiedene Seggen-Arten. Diese außergewöhnliche Pflanzenwelt kann im Botanischen Garten Monte Baldo auf einer Höhe von 1 232 m ü. NN in der Ortschaft Novezzina wie in der natürlichen Umgebung betrachtet werden, Hinweistafeln und ein Lehrraum ermöglichen eine umfassende Information der Besucher. Die Tierwelt des Monte Baldo weist überwiegend alpinen Charakter auf; neben Rotwild, Gämsen und Murmeltieren leben hier Alpenschneehuhn, Birkhuhn, Bergdohlen, Kolkraben, Steinadler und der sehr seltene Raufußkauz. Die zahlreichen Maulwürfe sind wie die Murmeltiere und Waldspitzmäuse beliebte Beutetiere für Steinmarder, Wiesel, Dachs und Fuchs, während in den Felsspalten und Höhlen der Geröllfelder einige Fledermausarten Unterschlupf finden.